Vorlage an das Bundesverfassungsgericht: Abgeltungsteuer verfassungswidrig?

Private Kapitalerträge werden regelmäßig – statt dem persönlichen Einkommensteuersatz – einem gesonderten Steuertarif von 25%8 unterworfen. Die Besteuerung wird durch Abzug „an der Quelle“ (z.B. durch Banken, Finanzdienstleister oder Kapitalgesellschaften) vorgenommen und hat Abgeltungswirkung. Das bedeutet, dass private Kapitalerträge in der Regel nicht in der Einkommensteuer-Erklärung angegeben werden müssen und somit eine endgültige Belastung dieser Erträge eintritt.9 Das Finanzgericht Niedersachsen ist der Auffassung, dass die Abgeltungsteuerregelung gegen verfassungsrechtliche Grundsätze (wie die Gleichbehandlung aller Einkunftsarten sowie die gleichmäßige Besteuerung nach der individuellen Leistungsfähigkeit) verstoße und daher verfassungswidrig sei.10 Das Gericht begründet dies mit der Ungleichbehandlung von Beziehern privater Kapitalerträge, die mit einem Sondersteuersatz von (höchstens) 25% belastet werden und den übrigen Steuerpflichtigen, die mit ihren Einkünften dem (persönlichen) Steuersatz von bis zu 45% unterliegen. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts bleibt abzuwarten.

1Lohnsteuer-Anmeldungen bzw. Umsatzsteuer-Voranmeldungen müssen bis zum Fälligkeitstag abgegeben werden, da sonst Verspätungszuschläge entstehen können.
2Bei Antragstellung bis zum 30.09.2021 (siehe § 28 Abs. 3 GrStG).
3Die Fälligkeit verschiebt sich auf den 11.07., weil der 10.07. ein Sonntag ist.
4Für den abgelaufenen Monat. Falls vierteljährlich gezahlt wird, für das abgelaufene Kalendervierteljahr.
5Für den abgelaufenen Monat; bei Dauerfristverlängerung für den vorletzten Monat. Falls vierteljährlich ohne Dauerfristverlängerung gezahlt wird, für das abgelaufene Kalendervierteljahr.
6Zu den weiteren Änderungen siehe Informationsbrief Mai 2022 Nr. 2.
7Vgl. §§ 112 bis 122 EStG n. F. (siehe BGBl 2022 I S. 749).
8Zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer; siehe im Einzelnen § 32d EStG.
9Zu Ausnahmen und Wahlrechten siehe Informationsbrief Mai 2022 Nr. 7.
10FG Niedersachsen vom 18.03.2022 7 K 120/21 (Az. des BVerfG: 2 BvL 6/22).
11Vgl. § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a EStG.
12§ 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 EStG.
13Siehe BMF-Schreiben vom 14.10.2015 – IV C 5 – S 2332/15/10001 (BStBl 2015 I S. 832), Tz. 4b.
14FG Köln vom 27.01.2022 6 K 2175/20.
15Az. des BFH: VI R 5/22.
16Siehe BMF-Schreiben vom 14.10.2015 (Fußnote 13), Tz. 4a sowie BFH-Urteil vom 29.04.2021 VI R 31/18 (BStBl 2021 II S. 606).
17Az. des BVerfG: 2 BvR 1443/21.
18Erhöhung geplant ab 2023 auf 5,5 %.
19BFH-Urteil vom 16.09.2020 II R 49/17 (BStBl 2021 II S. 339).
20Siehe hierzu § 13 Abs. 1 Nr. 4b und 4c ErbStG.
21Siehe hierzu § 13 Abs. 1 Nr. 4b und 4c ErbStG.
22Vgl. hierzu im Einzelnen BFH-Urteile vom 23.06.2015 II R 39/13 (BStBl 2016 II S. 225) und vom 28.05.2019 II R 37/16 (BStBl 2019 II S. 678).
23Vgl. Gleichlautenden Ländererlass vom 09.02.2022 (BStBl 2022 I S. 226).
24Vgl. R E 13.4 Abs. 6 Satz 4 ErbStR.
25Siehe § 3 Nr. 6 GewStG, § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG und §§ 51 bis 68 AO.
26Vgl. Abschn. 1.4 UStAE.
27Zur „Kleinunternehmerregelung“ vgl. § 19 UStG.
28Art. 132 Abs. 1 Buchst. m Mehrwertsteuersystem-Richtlinie; siehe auch BMF-Schreiben vom 04.02.2019 – III C 3 – S 7180/17/10001 (BStBl 2019 I S. 115).
29BFH-Urteil vom 21.04.2022 V R 48/20 (Nachfolgeentscheidung zum EuGH-Urteil vom 10.12.2020 C-488/18 „Golfclub Schloss Igling“).